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Aktienmarkt-Hausse trotz Wirtschafts-Blues

Gerade korrigierten die fünf ‚Wirtschaftsweisen‘ (der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) der Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr noch einmal deutlich nach unten. Da der Lockdown länger gedauert hat als ursprünglich angenommen und die Außenwirtschaft voraussichtlich härter getroffen wird, geht man jetzt von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von -6,5 Prozent (vor kurzem noch im worst case -5,4 Prozent) aus.

Dagegen kann einem am Aktienmarkt ja schon etwas schwindlig werden angesichts der Höhen, die aktuell bereits wieder erklommen werden. Der DAX hat seit dem Tief am 18.03.2020 (8.441,71) um gut 4.000 Punkte zugelegt und ist auf dem besten Wege zu einem neuen Allzeithoch (bisher 13.789,00). Internationale Indizes machen es ihm mit ähnlicher Dynamik nach.

  • Wie passt das zusammen?
  • Wie sieht es bei den verschiedenen Assetklassen, Sektoren und Themen aus?
  • Wie werden Boutiquenfonds aktuell aufgestellt?

Unabhängige Assetmanager sind Freunde einer klaren Aussprache und haben fundierte Meinungen. Davon können Sie sich auf den folgenden Seiten leicht überzeugen.


Wichtiger Hinweis: Bei den in dieser aktuellen Umfrage getätigten Äußerungen handelt es sich nicht um Kauf- oder Verkaufempfehlungen oder Finanzanalysen. Die Meinungen der befragten Fondsmanager und -berater eignen sich nicht zur direkten Übernahme in eigene Anlagestrategien. Basis von Kauf- und Verkaufentscheidungen sollten immer die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen wie Verkaufsprospekte und Jahresberichte sowie eine ausführliche individuelle Beratung sein.

AI Leaders

Christian Hintz

Geschäftsführer
Christian Hintz Vermögensverwaltung GmbH


Höhere Bewertungen bei Innovationstreibern gerechtfertigt

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Das Schlimmste scheint auf jeden Fall überstanden! Es kann zwar fest davon ausgegangen werden, dass es in den nächsten Monaten immer wieder zu kurzfristigen Rückschlägen kommen wird, besonders wenn schlechte Unternehmensdaten veröffentlicht werden. Allerdings wird die schiere Menge an Hilfsgeldern dafür sorgen, dass sich die Märkte auch wieder ganz schnell erholen.
  • Halten Sie die Rallye der Tech Aktien nicht für überzogen?
    Nein, aus unserer Sicht ist das nicht so! Zum Einen sind die Tech Werte aktuell die Haupttreiber was Innovationen angeht und zum Anderen erwirtschaften sie auch tatsächlich beachtliche Gewinne, was aus unserer Sicht durchaus höhere Bewertungen rechtfertigt.
  • Wie positionieren Sie sich derzeit in Ihrem Fonds?
    In unserem AI Leaders Fonds investieren wir in die aktuellen und zukünftigen Marktführer im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Knapp 70 Prozent der Aktien fallen unter die Rubrik Technologiewerte. Der Rest verteilt sich breit gestreut auf die Bereiche Gesundheit und Pharma, Industrie, Medien, Handel und Konsum.
  • Sollten Anleger noch einsteigen?
    Anleger sollten auf jeden Fall noch einsteigen, da die Wertschöpfung im Bereich Künstliche Intelligenz gerade erst begonnen hat und wir noch ganz am Anfang einer neuen Ära stehen.

Fonds: AI Leaders – ISIN ISIN DE000A2PF0M4

Gesellschaft: AI Leaders

BPM - Berlin Portfolio Management GmbH

Sven Marzahn

Leiter Portfolio Management
BPM Berlin Portfolio Management GmbH


Schnäppchen am Anleihenmarkt bei ‘Bösem Erwachen’

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Aktuell wird die Börse insbesondere durch die enorme Liquiditätsbereitstellung der Notenbanken und die angekündigten bzw. bereits angelaufenen Fiskalpakete der verschiedenen Länder gestützt. Die fundamentale Bewertung der Unternehmen ist stark in den Hintergrund getreten. Dies birgt für die Zukunft Risiken, insofern ist ein „böses Erwachen“ definitiv nicht ausgeschlossen. Für uns als Fondsmanager würde eine derartige Entwicklung die erneute Möglichkeit bieten, für den Rücklagenfonds interessante „Schnäppchen“ am Anleihenmarkt einzukaufen.
  • Welche Auswirkungen hat die Überflutung der Märkte mit Liquidität auf Ihren Rücklagenfonds?
    Zuerst einmal natürlich eine offensichtlich positive Wirkung, denn durch die großzügige Liquiditätsversorgung der Notenbanken sind am Anleihenmarkt die durch die Corona Krise deutlich ausgeweiteten Risikoaufschläge zumindest teilweise zurückgekommen. Dies hat positive Auswirkungen auf die kurzfristige Wertentwicklung des Rücklagenfonds (V-Bewegung im Chart gut erkennbar, Quelle: Bloomberg). Mittel- und langfristig sorgt die zusätzliche Liquidität dafür, dass die möglichen Renditen und Risikoaufschläge von Anleihen voraussichtlich weiter fallen. Eine solche Entwicklung erhöht somit direkt unser Renditepotential. Mit dem innovativen und risikoreduzierenden Konzept des Rücklagenfonds sind wir für eine solche Situation hervorragend gerüstet und werden unserer Verantwortung als stabiler Geldparkplatz gerecht.
  • Gibt es überhaupt noch attraktive Kurzläufer?
    Da die Risikoaufschläge auch bei Anleihen hoher Qualität immer noch über dem Niveau vom Anfang des Jahres liegen, gibt es weiterhin ausreichend Opportunitäten am Markt. Das Suchen und Finden eben dieser ist für uns seit Jahren Hobby und Beruf zugleich. Hinzu kommt, dass durch die aktuell angespannte Wirtschafts- und Börsenlage auch Fehlbewertungen und verschiedenste Arten von Prämien wieder verstärkt zu finden sind. Diese können wir für den Rücklagenfonds gezielt und erfolgreich nutzen.
  • Welche neue Positionierung hat sich daraus für Ihr Konzept ergeben?
    Die bewährte Positionierung des Rücklagenfonds bleibt weiterhin unverändert: ein breit gestreutes Portfolio qualitativ hochwertiger und handverlesener Anleihen mit kurzen Laufzeiten, bei weitestgehender Absicherung des Zinsänderungsrisikos. Anpassungen haben wir in den letzten Monaten insofern durchgeführt, dass die Laufzeiten im Portfolio gezielt wieder etwas verlängert wurden (im Durchschnitt aktuell bei gut 2 ½ Jahren) und wir aufgrund der ausgeweiteten Risikoaufschläge verstärkt in interessante Unternehmensanleihen aus den USA, Großbritannien und Deutschland investiert haben.

Fonds: Rücklagenfonds – ISIN DE000A1J67R2 (I) / DE000A1JRP89 (R) / DE000A2JF832 (I – USD)

Gesellschaft: BPM Berlin Portfolio Management GmbH

FPM Frankfurt Performance Management AG

Thomas F. Seppi

Vorstand
FPM Frankfurt Performance Management AG


Markt in seiner Breite preiswert

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Historisch gesehen gibt es häufig einen zweiten Rückgang nach Kurseinbrüchen. Die aktuelle Erholung und die Volumina deuten aber daraufhin, dass die Marktteilnehmer zwar von katastrophalen Q2 & Q3 ausgehen, aber danach mit einer stetigen Verbesserung der Situation rechnen. Die neue Geldmenge im Markt sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden, d. h. das Geld, dass derzeit die Nachfragelücken füllt und entgangene Einkommen ersetzt, wird zum Bezahlen von Rechnungen eingesetzt. Wer am Ende der Kette dieses Geld erhält und selbst keine Rechnungen bezahlen muß, wird das Geld am Kapitalmarkt anlegen. Dies führt zu einer Inflation von Assetpreisen. Die Auswirkungen werden positiv sein, auch wenn es zwischendurch vielleicht nochmal Preisrückgänge geben sollte.
  • Haben sich Value-Aktien ebenfalls stark erholt oder ist der Bewertungsspread weiter auseinandergelaufen?
    Kurzfristig hatten sich auch Valueaktien ein wenig erholt. Der weiterhin niedrigen Zinsssituation ist es aber offensichtlich geschuldet, dass die vorherigen Favoriten auch die Aktuellen zu sein scheinen. Wir werden weiterhin in Valueaktien investieren, da wir vom langfristigen Erfolg überzeugt sind. Der Markt ist in seiner Breite preiswert, mehr als die Hälfte der Aktien aus den DAX Familien wird unterhalb ihrer Buchwerte bewertet. Einige Aktien, die man durchaus als Lieblinge der Anleger bezeichnen kann, erscheinen jedoch gemessen an ihren Erträgen und Geschäftsmodellen als teuer. Der von uns ermittelte mögliche Zukunftswert der einzelnen Unternehmen in unseren Fonds ist im historischen Vergleich weiterhin überdurchschnittlich hoch.
  • Welche Branchen halten Sie weiterhin, auch bei niedrigerem Wirtschaftswachstum, für aussichtsreich?
    Es bieten sich in fast allen Branchen Unternehmen mit guten Aussichten an. Der Standortvorteil Deutschland wird aus unserer Sicht für die künftige Entwicklung wichtiger als die konkrete Branche sein. Die aktuell gezeigten Unterstützungen durch die Politik und die wirtschaftlich vorhandenen weiteren Möglichkeiten kann wahrscheinlich in Europa kein anderes Land bieten.

Fonds: FPM Funds Stockpicker Germany All Cap – ISIN LU0124167924 / LU0850380873
Fonds: FPM Funds Stockpicker Germany Small/Mid-Cap – ISIN LU LU0207947044 / LU1011670111

Gesellschaft: FPM Frankfurt Performance Management AG

ICM InvestmentBank AG

Dr. Norbert Hagen

Sprecher des Vorstands
ICM Investmentbank AG


Modell bleibt bisher bei niedriger Aktienquote

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Solange die Konjunktur auf Sparflamme läuft (das sieht man an den PMIs), leben die Aktienmärkte vom vielen Geld und der Hoffnung auf Besserung. Aber hier können Enttäuschungen – mögen sie aus der Ecke der Guidance kommen oder von wieder massiv ansteigenden Neuinfektionszahlen – zu massiven Korrekturbewegungen führen. Auf Sicht von 12 Monaten sind wir allerdings für Aktien generell positiv.
  • Was sagt das von Ihnen eingesetzte Asset Allocation Modell?
    Das Asset Allocation Modell steht in Sachen Aktien noch immer voll auf der Bremse. Mit 2 % Gesamt-Allokation in Aktien (Juni) zieht die Aktienhausse ungenutzt vorüber. Allerdings hatte der zwischenzeitliche Ausverkauf auch keine negativen Konsequenzen.
  • Muss man nach der starken Rallye noch Aktien haben?
    Der letzte Teil der Rallye wurde von Zyklikern getragen und nicht mehr von den defensiven Titeln. Wobei man konstatieren muss, das der IT-Bereich neuerdings zu der letztgenannten Gruppe zählt. Wir denken, dass in den Zyklikern bei einer konjunkturellen Beschleunigung noch mehr zu holen sein wird. Allen voran in den Rohstoffwerten und den Industrials.

Fonds: Leonardo UI – ISIN DE000A0MYG12

Gesellschaft: ICM InvestmentBank AG

Infinigon GmbH

Jürgen Nott

Geschäftsführer
Infinigon GmbH


Beachtliches Renditepotenzial

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Immer mehr Marktteilnehmer gehen von einer “zweiten COVID 19 Welle” aus. Sollte diese eintreten, erwarten wir für die Collateralized Loan Obligation (CLO)-Märkte im stabilen qualitativ hochwertigen Investmentgrade Bereich weniger Volatilität und keine Ausweitung der Rendite im gleichen Ausmaß wie im März. Im Markt hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese Anlagen als ausserordentlich stabil einzustufen sind – der Markt lernt. Auch im Sub-Investmentgrade Bereich würden die möglichen Ausweitungen aus unserer Sicht mehr fundamental getrieben (Kreditqualität) und nicht rein technisch wie bei der ersten Welle der Pandemie.
  • Haben sich die CLO-Märkte nach den starken Kursschwankungen ebenfalls erholt?
    Die CLO Preise im Investmentgrade Bereich haben in der ersten Juni Woche fast das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreicht. Von der Mitte Juni erneut eingetretenen Zunahme der Volatilität auf den Aktienmärkten wurden jedoch die CLO Märkte nur leicht betroffen. Der aktuelle Trend ist seitwärts gerichtet, wobei der attraktive Kupon von bis zu 3% im Investmentgrade Bereich einen guten “Puffer” bietet.  
  • Wie hoch ist das Renditepotenzial in Ihren Fonds, wenn es zu keinen Ausfällen bei den CLOs kommt?
    Es gab historisch keinerlei Defaults im CLO Investmentgrade-Bereich. Auch mit den aktuellen Annahmen unter sehr konservativen Stressszenarien, die sich historisch noch nie so realisiert haben, würden CLO Investmentgrade Tranchen keine Verluste erleiden. Wir erwarten weiterhin eine hundertprozentige Rückzahlung aller Positionen in beiden Fonds.
    Der Preis des IGLA Fonds per Ultimo Mai lag bei 97,4%. Sollten alle Bestände in 12 Monaten wieder bei 100 stehen, steigt der Fondspreis allein durch die Preiskorrektur auf ca. 100,5% zuzüglich erwirtschafteter Kuponzinsen. Das bedeutet eine Rendite von ca. 5,1%. In unserem Publikumfonds – Infinigon Investmentgrade Collateralized Loan Fund BI – läge die Rendite sogar bei ca. 5,3%

Fonds:
Infinigon Investmentgrade Collateralized Loan Fund BI – ISIN DE000A1T6FY8
Investment Grade Liquid Alternative Fund I – ISIN LI0379757417

Gesellschaft: Infinigon GmbH

OVIDpartner GmbH

Rainer Fritzsche

Geschäftsführer
OVIDpartner GmbH


Vergleichbar mit dem Greenspan-Put für die Aktienmärkte

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Mit den umfangreichen staatlichen Hilfspaketen wird nur zukünftiges Wachstum in die Gegenwart übertragen. Wir kennen das von der Abwrackprämie nach der Finanzkrise 2008: Der damals vom Staat teuer erkaufte vorgezogene Autoabsatz fehlte in den kommenden Jahren. Die jetzt schon wieder hohen Marktbewertungen lassen sich nur durch ein hohes Gewinnwachstum in den nächsten Jahre rechtfertigen, dem aber die Grundlage entzogen wurde. Die Börse ignoriert dies und trägt zudem dem Risiko einer zweiten Infektionswelle im Winter keine Rechnung.
  • Hat sich der Finanzbedarf der Unternehmen durch die Krise im Bereich Infrastruktur verändert?
    Infrastrukturprojekte haben einen sehr langfristigen Planungshorizont, der von einer ebensolchen Finanzplanung begleitet wird, die auch Verzögerungen einkalkuliert. Deshalb erwarten wir keinen nachhaltig höheren Finanzbedarf.
  • Ist zu befürchten, dass die Ausgaben für Infrastrukturinvestments aufgrund des immensen Finanzbedarfs in anderen Bereichen gekürzt werden?
    Im Gegenteil rechnen wir mit einer Erhöhung der Infrastrukturausgaben sowohl als konjunktur- wie auch als klimapolitische Maßnahme.
  • Hat die Ankaufspolitik der EZB Auswirkungen auf die Kursentwicklung der Anleihen in Ihrem Marktsegment?
    Was momentan am Unternehmensanleihenmarkt geschieht, ist mit dem berühmten Greenspan-Put für die Aktienmärkte in den Jahren 1988 bis 2000 vergleichbar. Nicht nur die EZB sondern auch die FED haben in der aktuellen Krise ein hohes Interesse, die Liquiditätsversorgung und Refinanzierung von Firmen zu sichern. Wenn Unternehmen künftig ihre wertvolle Liquidität nicht mehr zu Aktienrückkäufen verwenden – die in den vergangenen Jahren ein wichtiger Kurstreiber waren – und eventuell ihre Dividenden senken, erscheinen die Zinsen bei High-Yield-Anleihen in einem sehr attraktiven Licht.
    Gut illustriert wird dies in den nachstehenden Grafiken (Zinsvorsprung in Basispunkten, Quelle: Bloomberg / Goldman Sachs).

Fonds: OVID Infrastructure HY Income UI – ISIN DE000A112T91

Gesellschaft: OVIDpartnerGmbH

Selection Asset Management GmbH

Jörg Scholl

Geschäftsführer
Selection Asset Management GmbH


Anleihenkurse überhitzter als Aktienkurse

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Corona ist an der Börse sehr tiefgehend diskutiert. Sollten größere Probleme auftreten so werden diese mittels fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen weggebügelt. Aus unserer Sicht werden verstärkt andere Themen – etwa die extreme Bewertung von echten und scheinbaren Technologietiteln – in den Vordergrund der Diskussion rücken.
  • Was sagen Ihre Signale nach den Kursanstiegen der letzten Wochen?
    Klassische Prognosemodelle sind aus unserer Sicht aktuell nicht anwendbar. Wir verwenden unseren klassischen Absicherungsansatz – der sich gerade in diesem Jahr sehr bewährt. Dass dieser Ansatz auch in der Praxis funktioniert, zeigt die Performance des vielfach ausgezeichneten Selection Rendite Plus Fonds (ISIN: DE0002605037).
  • Sehen sie den Markt überhitzt?
    Aus klassischer Sicht ja. Vor dem Hintergrund der Explosion der Zentralbankbilanzen ist dies jedoch differenzierter zu betrachten.
  • Was bedeutet das für Ihre aktuelle Positionierung?
    Klassische Anleihen sind aus unserer Sicht deutlich überhitzter als Aktien. Zusätzlich bergen Unternehmensanleihen in Krisen stets ein Liquiditätsrisiko. Hier halten wir Wandelanleihen für interessant.  Insoweit haben wir eine recht hohe Aktiengewichtung von ca. 45% die wir allerdings sehr dynamisch mit unserem Sicherungsansatz steuern.

Fonds: Selection Rendite Plus – DE000A2H7NQ9 (R) / DE0002605037 (I)

Gesellschaft: Selection Asset Management GmbH

Selection Asset Management GmbH

Claus Weber

Geschäftsführer
Selection Asset Management GmbH


Defensive Wandelanleihen weiter unter ihrem Fair-Value 

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Wir denken, dass es aktuell nicht wirklich seriös ist, dazu eine fundierte Einschätzung abzugeben.  Wie der aktuelle Fall „Tönnies“ zeigt, kann die Pandemie jederzeit in eine 2. Welle münden. Dies kann dann natürlich zu neuerlichen Kursturbulenzen an den Börsen führen.
  • Haben Wandelanleihen sich ähnlich rasant von den Tiefstständen erholt, wie die Aktien?
    Je nach Strategie- und Regionen-Betrachtung konnten sich Wandelanleihen ähnlich rasant von den Tiefständen erholen. Insbesondere Wandelanleihen mit einem höheren Delta bzw. Wandelanleihen mit einem eher aktienorientierten Profil (Delta>0,70)
  • Wie hat sich die relative Attraktivität der Wandelanleihen zu den Aktien entwickelt?
    Wandelanleihen sind relativ gesehen immer noch attraktiv. Gerade aus der Perspektive einer Rich-/Cheap-Analyse, notieren viele Wandelanleihen und hier insbesondere defensive Wandelanleihen-Profile (Delta<0,50) unter ihrem Fair-Value.
  • Welche Gründe gibt es für Anleger, jetzt Ihren Wandelanleihen Fonds zu kaufen?
    Die Strategie des Selection Global Convertibles Fonds ist sehr defensiv ausgerichtet. Das Investitionsuniversum des Fonds ist schwerpunktmäßig Europa. Aktienorientierte Wandelanleihen-Profile (Delta>0,70)  sind mit weniger als 15% im Fonds gewichtet. Eine rein globale Benchmark hat dagegen einen deutlich höheren Anteil von aktienorientierten Profilen, er liegt aktuell bei ca. 44%. Der Vorteil eines eher defensiven Ansatzes mit Schwerpunkt in Europa liegt darin, dass im Zeitablauf die Volatilität im Vergleich zu Aktien, aber auch zu einer globalen Wandelanleihen-Benchmark deutlich niedriger ist (siehe Chart, Quelle: Bloomberg). Darüber hinaus stellt ein defensiver Wandelanleihen-Ansatz eine gute Alternative zu normalen Unternehmensanleihen dar, denn trotz der heftigen Aktienmarktrückgänge in 2018 und 2020 hat man per Saldo eine sehr ähnliche Performance über die letzten 4 Jahre. In guten Phasen hat man dagegen ein deutlich höheres Aufwärtspotential, wie es sich zum Beispiel erneut in 2019 gezeigt hat.

Fonds: Selection Global Convertibles – ISIN DE0008484957

Gesellschaft: Selection Asset Management GmbH

SIGAVEST Vermögensverwaltung GmbH

Christian Mallek

Geschäftsführer
SIGAVEST Vermögensverwaltung GmbH


‘Never fight the FED!’

Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
Einen Kurssturz, wie wir ihn im März gesehen haben, erwarten wir nicht mehr. Dafür werden die Notenbanken und Regierungen dieser Welt sorgen. Ganz ehrlich: Auch wir haben die Auswirkungen dieser massiven Eingriffe anfangs unterschätzt. Für die Märkte gilt also bis auf Weiteres „Never fight the FED“!

Welche Manager haben in der Krise überzeugt, welche eher enttäuscht?
Wieder einmal lässt sich feststellen, dass Markttiming ein schwieriges Unterfangen ist. Manager, die in der Abschwungphase gut abgesichert waren, haben sich in der unerwarteten V-Erholung der Märkte häufig schwer getan, die aus gutem Grund getätigte Absicherung wieder aufzulösen. Hier waren im Nachhinein betrachtet Manager von Long-Only-Fonds klar im Vorteil.

Gab es Manager, die den Abschwung vermeiden konnten und den Aufschwung mitgenommen haben?
Uns hat in dieser Zeit besonders unser Investment von Jan Beckers mit seinem Global Internet Leaders 30 Fonds überzeugt. Beckers ist seit über 20 Jahren tief in der Internetbranche verwurzelt und hat seinen Fonds exzellent durch die Krise gesteuert, wobei die Internetbranche wohl auch der größte Profiteur der Corona-Krise ist.


Fonds: SIGAVEST Vermögensverwaltungsfonds UI – ISIN DE000A0MZ317 (R) / DE000A2H7NK2 (I)

Gesellschaft: SIGAVEST Vermögensverwaltung GmbH

Stratton Street Capital LLP

Frederick Coldham

Fondsmanager
Stratton Street Capital LLP


Schwache Konjunktur? Investmentgrade Anleihen! 

  • Ist Corona an der Börse ausgestanden? Oder kommt noch ein böses Erwachen?
    Wir bezweifeln, dass es zu einer Wiederholung des starken Ausverkaufs an der Börse vom letzten März kommen wird, da die Zentralbanken weltweit weiterhin sowohl Aktien als auch Anleihen mit Liquidität unterstützen und die Volkswirtschaften langsam aus dem Lockdown herauskommen. Dennoch bestehen nach wie vor Markt-Risiken, da die fundamentalen Wirtschaftsdaten den derzeitigen Börsenkursen nicht entsprechen und diese schnell reagieren könnten, sollte es hier zu nachhaltigen Enttäuschungen kommen.
  • Haben sich die Spreads auch in Ihrem Anlageuniversum wieder normalisiert?
    Die Spreads sind seit März wieder erheblich zusammengelaufen, was hauptsächlich durch in diesem Ausmaß noch nie dagewesene geld- und fiskalpolitische Massnahmen der globalen Zentralbanken und Regierungen unterstützt wurde. Wir gehen davon aus, dass sich die Liquiditätspolitik der Zentralbanken in absehbarer Zukunft fortsetzen wird. In den kommenden Monaten erwarten wir weitere Wertzuwächse in unseren Fonds, da wir durch aktive Titelselektion bei immer noch attraktiven Spreadniveaus in ausgewählten Anleihen Mehrwert für unsere Anleger identifizieren.
  • Sehen Sie aktuell noch attraktive Bewertungen oder fürchten Sie größere Ausfallrisiken?
    Obwohl das Zinsdifferential im Investmentgrade-Bereich seit dem Preisverfall im März zurückgegangen ist, finden wir im Investmentgrade-Universum der „reichen Gläubigerländer“ immer noch attraktive Rendite-Möglichkeiten.
    Da sich das Portfolio zu ~80% aus staatlichen und quasi-staatlichen Anleihen mit Investmentgrade-Rating zusammensetzt (gewichtetes Durchschnittsrating von A), erwarten wir in diesem Anleiheuniversum keine Bonitäts-Ausfälle. Natürlich stehen sogenannte Schrottanleihen, insbesondere Unternehmens-Anleihen, unter erhöhtem Ausfalldruck. In unseren Portfolien halten wir jedoch nur Anleihen mit hohem Kreditrating, wie z.B. von Microsoft (AAA), Apple (AA) und Scottish Widows (A-).
  • Hat sich der deutlich gesunkene Ölpreis auf die Länderbonitäten und Ihr NFA-Scoring ausgewirkt?
    In 2014/15, als der Ölpreis fast um die Hälfte fiel, hatte dies nur begrenzte Auswirkungen auf die Bewertung der von uns verfolgten “wohlhabenden” Nationen.
    Es liegt auf der Hand, dass sich Ölpreise auf diesem Niveau auf die Konjunktur einer Reihe von Volkswirtschaften auswirken werden, deren Grenz-Produktionskosten über dem derzeitigen Preisniveau liegen. Wohlhabende Nationen, die über ausreichende Bar-Reserven verfügen und sich zudem über ihre Währung gegen den Rückgang der Ölpreise absichern können, sind hier klar im Vorteil. So z.B. Russland, das den Rubel abwerten ließ und sein Öl dann in Dollar verkaufte.
    Da die Analyseergebnisse unseres proprietären NFA-Bewertungssystems nur langsame Bewegungen auf dem Ölmarkt andeuten, gehen wir nicht davon aus, dass es bei den Ölproduzenten des Nahen Ostens, mit einem u.E. hohen Sterne-Rating von 7, zu einer größeren Veränderung kommen wird.
    Mexiko sollte man jedoch im Auge behalten, da das Land derzeit laut unserer Analyse nur eine Bewertung von 3 Sternen erreicht, somit jedoch nach wie vor innerhalb unserer investierbaren Kriterien liegt. Diese Tatsache, sowie eine mögliche Bonitäts-Herabstufung in den High Yield Bereich sind die Gründe für das derzeit sehr hohe Zinsdifferential der im Portfolio gehaltenen Anleihen; jedoch auch für das äußerst attraktive Renditeniveau, das unserer Meinung nach risikobereinigt immer noch erzielt werden kann.

Nachstehende Grafik zeigt das derzeit zu beobachtende Phänomen sehr deutlich, dass Investmentgrade Anleihen in schwachen Konjunkturphasen meist den High Yield Markt übertreffen und sich diese Relation im Konjunkturaufschwung wiederum umkehrt.

Weitere Informationen zum Analyseansatz von Stratton Street finden Sie hier.


Fonds:
NFA Global Bond Strategy QA EUR hedged – ISIN LU1483930282
Next Generation Global Bond Fund UI QA EUR hedged – ISIN LU1483929516

Gesellschaft: Stratton Street Capital LLP


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