26.04.2021

Dr. Norbert Hagen, Vorstandssprecher der ICM InvestmentBank, beschäftigt sich für die Asset Allocation des internationalen Mischfonds Leonardo UI mit den möglichen Auswirkungen der von US-Präsident Biden geplanten US-Steuererhöhungen, die derzeit vom Markt noch weitgehend ignoriert werden:

Seit März wird das in der US-Politik diskutiert:

  • Anhebung des Körperschaftssteuersatzes von 21 auf 28%.
  • Abbau von Steuervergünstigungen für sogenannte «Pass-through-Unternehmen» wie zum Beispiel Gesellschaften mit beschränkter Haftung oder Personengesellschaften.
  • Erhöhung des Einkommenssteuersatzes für Privathaushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 400.000 $.
  • Ausweitung der Basis für die Erhebung der Erbschaftssteuer.
  • Ein höherer Kapitalertragssteuersatz für Personen, die mindestens 1 Mio. $ jährlich verdienen.
  • Intensiveres Vorgehen gegen Steuerbetrüger.

Kann man Unternehmenssteuern von 21 % eigentlich dauerhaft rechtfertigen ? Dabei handelt es sich sogar nur um den derzeitigen Grenzsteuersatz bei den Bundessteuern, der effektive Steuersatz dürfte unter 15 % liegen und damit auf dem zuletzt 2009 gesehenen Level. Zu Beginn der Trump-Regierungszeit war er sogar noch tiefer. Die Kehrseite der Medaille ist ein seit der Jahrtausendwende fortlaufender Anstieg des Budgetdefizits im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Infrastrukturmaßnahmen und solche gegen den Klimawandel, wie Biden sie plant, sind allerdings trotz ihrer Langfristigkeit in der Umsetzung kaum ohne höhere Steuereinnahmen finanzierbar.

Experten gehen nicht davon aus, dass das vom Präsidenten initiierte Vorhaben vollumfänglich vom Kongress verabschiedet wird. Damit würden die Konsequenzen für die US-Unternehmen wohl statt rund 8 % nur geschätzte 5 % der 2022er Gewinne kosten. Die daraus folgende teurere Bewertung der amerikanischen Aktien dürfte am Markt nicht spurlos vorübergehen.

Rohrkrepierer Trump-Steuersenkung

Die vom Vorgänger Trump aus der Taufe gehobene 2017er Steuersenkung, die vor allem die Repatriierung im Ausland liegender Vermögenswerte förderte, kann im Nachhinein auf ihren Effekt auf die nationale Investitionsbereitschaft von US-Unternehmen als „Rohrkrepierer“ bezeichnet werden. Zu sehr hatte er mit seiner Zollpolitik den effektiven Nutzen ausgehebelt. Insofern wäre das Anziehen der einen Daumenschraube für die Wirtschaft weniger schlimm, wenn die andere wieder gelockert würde.

Und ein Wiederanstieg der US-Renditen dürfte es auch zweckmäßiger machen, zukünftig Ausgaben eben nicht über eine weiter expansive Nettoneukreditaufnahme zu refinanzieren, sondern über Steuereinnahmen. Politisch betrachtet kann man Steuererhöhungen quasi als “linkes Gedankengut” interpretieren und als Adresse gegen Ungleichverteilung beim Einkommen verstehen. Nimmt man hier allerdings den Gini-Koeffizienten als Maßstab, stehen die Vereinigten Staaten erstaunlicherweise sogar besser da als z.B. Deutschland.

Was heißt das für den US-Aktienmarkt?

Im Moment noch nichts, denn in Erwartung des Endes der Pandemie dürften Unternehmen überproportional profitieren. Langfristig hingegen sollten höhere Steuern und höhere Zinsen in Kombination mittels rückläufiger Gewinndynamik beim Nachsteuer-Ergebnis und durch über höhere Anleiherenditen steigende Abzinsungsfaktoren zukünftiger Erträge schwierigere Zeiten vor sich haben.

 

Die taktische Asset Allocation des Leonardo UI Fonds basiert auf einem Quant-Modell des kanadischen Analysehauses BCA Research, das 109 Indikatoren auswertet und daraus die optimale Aufstellung für das Portfolio ableitet. Ergänzt wird das taktische BCA-Modell durch eine dem stock-picking gleichkommende mittelfristig orientierte Auswahl von Unternehmensanleihen – einem Steckenpferd der ICM.

Aktuell ist der Leonardo UI in den USA untergewichtet (Anteil 31,2% vs 34,7% in der Benchmark), da das Fondsmanagement den amerikanischen Aktienmarkt auch aufgrund der hohen Gewichtung von Technologiewerten für überbewertet hält.


Fonds: Leonardo UI – ISIN DE000A0MYG12
Gesellschaft: ICM Investmentbank AG


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