07.06.2023

 

 

Christian Krahe

Geschäftsführer
GS&P KAG S.A., Luxemburg

 

 

Herr Krahe, Sie sind Fondsmanager für den Deutsche Aktien Total Return Fonds, der immer wieder durch gute Ergebnisse auffällt. Nun wird Ihr Mischfonds 18 Jahre alt! Herzlichen Glückwunsch! Wie ist damals eigentlich der Start verlaufen?

Vielen Dank! Tatsächlich haben Albrecht von Witzleben und ich damals mit 0 Euro und ohne Büro gestartet: Nach 4 Wochen konnten wir im DATR die ersten Gelder von weniger als 1 Mio. Euro investieren und den ersten Fondspreis berechnen lassen. Zum Jahresende 2005 waren es €15 Mio. Fondsvolumen, nach zwei Jahren bereits €200 Mio. Aktuell liegt der Fonds zu seinem ‚18. Geburtstag’ bei knapp €400 Mio. Erwachsen ist der DATR in Fondsmaßstäben unserer Meinung nach aber schon länger, er hat schon einiges erlebt. Wir freuen uns auch über dieses Jubiläum, denn nicht viele Fonds am Markt sind so alt und werden derart kontinuierlich von denselben Fondsmanagern – und hier sogar den Initiatoren – verwaltet.

 

 

Das deutet an, dass der Fonds sich wohl im Wettbewerb beweisen konnte?

Der DATR hat es geschafft, als Mischfonds über einen so langen Zeitraum den deutschen Aktienmarkt in Form des DAX zu schlagen – zum Jubiläum aktuell sogar um insgesamt über 70 Prozentpunkte und gegenüber einem DAX-ETF sogar um fast 100 Prozentpunkte! Anleger der ersten Stunde haben ihr Vermögen in 18 Jahren also mehr als vervierfacht. Dabei hat der Fonds dank des Mischfonds-Ansatzes regelmäßig eine niedrigere Schwankungs­breite als der DAX aufgewiesen.

Die Frage nach dem Fondsnamen: Total Return klingt danach, dass Sie nicht nur Aktien kaufen?

Das ist richtig, der Fonds hat einen vermögensverwal­ten­den Charakter. Wir investieren daher zur Diversi­fikation auch in weitere Assetklassen wie z.B. Unternehmens- und Wandelanleihen. Der Schwer­punkt liegt aber auf der Aktienseite und hier verfolgen wir einen All Cap-Ansatz. Der Fonds sollte damals die Fortführung der erfolgreichen Tätigkeit Herrn von Witzlebens als Vermögensverwalter in einem Produkt sein. Ein wenig waren wir der Zeit der vermögens­verwaltenden Fonds wohl voraus.

Im Fondsnamen steckt auch der regionale Schwerpunkt, anders als eigentlich alle anderen bekannten Mischfonds fokussieren Sie Ihre Anlagen auf den deutschen Markt?

Ja, wir haben hier ein uns bestens vertrautes und breites Anlegeuniversum, hier kennen wir uns besonders gut aus, haben intensive Kontakte zu den Unternehmen und finden immer wieder chancenreiche Aktien. Man darf nicht übersehen, dass deutsche Unter­nehmen oft auch ein sehr gutes internationales Geschäft haben und „Made in Germany“ weiterhin ein starkes Markenzeichen ist. Auch und gerade in den Krisen der letzten Jahre haben deutsche Unternehmen, bewiesen, dass sie solide aufgestellt sind und eine hohe Anpassungsfähigkeit und Flexibilität zeigen können. Zusätzlich besticht Deutschland durch stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Und wenn wir Deutsche es mal positiv sehen und formulieren wollten, dann könnte man das Land auch als Hort der Stabilität bezeichnen.

Der Fonds existiert ja bereits seit 2005, haben Sie seitdem Ihre Strategie umstellen oder verändern müssen?

Unsere grundlegende Anlagephilosophie und -strategie ist über die Jahre hinweg beständig geblieben. Wir setzen auf ausgewählte deutsche Aktien und Anleihen, die wir detailliert analysieren. Daraus ergibt sich ein konzentriertes Portfolio, das rund 20 bis 25 Aktien und in etwa ebenso viele Anleihen umfasst. Eine bewährte Stütze für die Performance des DATR durch die Marktphasen ist dabei unser flexibler Investment­ansatz: Während wir einerseits bei den Aktien­investments risikobewusst einen fundamental- und langfristig-orientierten Ansatz fahren, sind wir zusätzlich in der Investitionsquote nicht festgelegt. Durch die aktive Selektion einzelner deutscher Wert­papiere und die flexible Allokation sind wir erfolgreich. Wir bieten den Anlegern quasi ein ‚Heimspiel‘ für ihr Vermögen.

Sie betonen gerne das eigenständige Research und die persönlichen Gespräche bei der Titel-Analyse. Wie oft sprechen Sie mit dem Management der Portfolio-Unternehmen?

Wir führen sehr regelmäßig Gespräche auf Roadshows, Konferenzen oder individuell vereinbart. Manche Unternehmen sprechen wir mehrmals im Jahr oder auch ad hoc, wenn es aufgrund von Nachrichten oder für uns nicht nachvollziehbaren Entwicklungen im Kurs sein muss.

Welche Informationen ziehen Sie aus diesem engen Kontakt zu den Unternehmen?

Die Gespräche bringen uns ein tieferes Verständnis des Geschäftsmodells und der Einflussfaktoren auf dieses. Der direkte Austausch gibt uns auch die Möglichkeit, einen persönlichen Eindruck vom Management zu gewinnen (Persönlichkeit und Glaubwürdigkeit der Manager, Strategien und Visionen). Gespräche mit Kontakten, die uns seit Jahren vertraut sind, sind auch unter psychologischen Gesichtspunkten immer wieder interessant.

Wie ist das Produkt aktuell aufgestellt? Gab es zuletzt Neuaufnahmen und gibt es gewisse Aktien, die Sie schon das ganze Fondsleben lang begleiten?

Wir fühlen uns derzeit gut und ausgewogen positioniert. Die Aktienquote liegt aktuell bei 52%, was auf eine konstruktive Grundhaltung des Portfolio­managements schließen lässt. Der durchschnittliche Kupon unserer Anleihen beträgt 6,40%, was in der aktuellen Phase höherer Zinsen anhaltend attraktiv ist. Als Neuaufnahmen auf der Aktienseite sind zum Beispiel Gerresheimer, K+S und besonders Aurubis zu nennen. Hier haben wir die jüngste Aktienkurs­schwäche genutzt, um in ein Substanzunternehmen mit strukturellen Wachstumstreibern wie weltweit zunehmend strikterer Regulierung und mehr Recycling zu investieren. Tatsächlich begleiten uns einige beeindruckend erfolgreiche Unternehmen wie Sixt oder KSB bereits seit über einer Dekade. Sie fanden sich im Fonds daher regelmäßig in unterschiedlichen Gewichtungen wieder.

Sind Sie beide auch selbst in den Fonds investiert?

Da wir selbst seit Auflage des DATR investiert waren und natürlich weiterhin sind und eine ganz besondere Beziehung zu diesem Fonds haben, bleiben wir äußerst motiviert. Wir wollen den Weg konsequent weitergehen und verstärken daher unsere Expertise bei deutschen Nebenwerten gezielt. Unser neuer Kollege Alexander Lippert ist mit 28 Jahren jung, aber bereits sehr erfahren. Er kann in unserem Team für neue Perspektiven sorgen und sich dadurch sicherlich auch im DATR erfolgreich einbringen.

 

Hier können Sie das Interview als PDF herunterladen: Link

 


Fonds:                 GS&P Fonds – Deutsche Aktien Total Return (ISIN LU0216092006)
Gesellschaft:      GS&P S.A.


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