Nach der Absetzung und Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro überschlugen sich die politischen und wirtschaftlichen Reaktionen. Vertreter der US-Regierung äußerten sich ausgesprochen optimistisch zu den Perspektiven des Landes und insbesondere zu den Aussichten seiner Ölindustrie. US-amerikanische Energieunternehmen werden von Präsident Trump ausdrücklich dazu gedrängt, die reichhaltigen Ölreserven Venezuelas künftig stärker zu nutzen. In der Folge verzeichneten die Anleihen des Landes und des staatlichen Ölkonzerns PDSVA deutliche Kursanstiege. Angesichts dieser Euphorie erscheint jedoch ein nüchterner Blick auf die tatsächlichen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Rahmenbedingungen sinnvoll.
PDVSA-Anleihen – Restrukturierung bleibt ein Szenario mit vielen Unbekannten
Venezolanische Staats- und PDVSA-Anleihen stehen daher im Fokus der Marktexperten von Seahawk Investments und eine Analyse möglicher (Neu-)Restrukturierungs- und Erholungsszenarien. Die Quartalsstudie des Hauses stellt dabei klar, dass für Gläubiger weniger die nominelle Größe der Ölreserven als vielmehr die realisierbare Produktionskapazität ausschlaggebend ist. Venezuela weist offiziell Ölreserven von über 300 Mrd. Barrel aus; konservative Schätzungen verorten die nachgewiesenen Reserven jedoch deutlich niedriger bei rund 60 bis 110 Mrd. Barrel. Die aktuelle Produktion liegt bei unter 1 Mio. Barrel pro Tag. Eine Rückkehr auf bis zu 3 Mio. Barrel pro Tag erfordert laut Darstellung Investitionen von rund 100 Mrd. USD über die kommenden zehn Jahre.
Schlechtere Rohöl-Qualität
Strukturell belastend wirkt zudem die Qualität des venezolanischen Rohöls: Es handelt sich überwiegend um extra-schweres Öl, das typischerweise mit Abschlag gegenüber leichteren, „süßeren“ Qualitäten gehandelt wird. Für neue Förderprojekte im Orinoco-Gürtel werden Break-even-Preise von rund 80 USD je Barrel genannt. Damit hängt der Erfolg eines Erholungspfads wesentlich von einem ausreichend hohen globalen Ölpreisniveau und von der Fähigkeit ab, die stark verfallene Infrastruktur wieder funktionsfähig zu machen.
Venezuela stark verschuldet
Auf der Schuldenseite zeichnet das Dokument ein Bild außergewöhnlicher Belastungen: Schätzungen der venezolanischen Auslandsverbindlichkeiten beginnen bei 150 Mrd. USD und reichen darüber hinaus; dies entspricht einer Schuldenquote von rund 175–200 % des BIP. Zentralregierung und PDVSA haben zusammen ausstehende Anleihen im nominalen Umfang von rund 60 Mrd. USD, die Forderungen der Gläubiger belaufen sich aufgrund nicht gezahlter Zinsen seit 2017 inzwischen auf über 100 Mrd. USD. Für die Preisbildung am Markt ist entscheidend, dass die Recovery-Quoten (25, 40, 50 Cent pro Dollar oder mehr) maßgeblich von Ölpreisen, Produktionsentwicklung und der Tragfähigkeit eines künftigen Schuldenpfads abhängen. Als mögliches Element einer Umschuldung werden zudem Mechanismen genannt, die Auszahlungen an eine Erholung der Ölproduktion oder an BIP-/Exportzuwächse koppeln (Warrants).
Fazit fürs Portfolio
Der Seahawk Credit Opportunities Funds verfolgt einen globalen Absolute-Return-Credit-Ansatz mit Fokus auf Transport, Energie und Versorger und nutzt Bewertungsunterschiede zwischen festverzinslichen Wertpapieren auf Basis einer rigorosen Bottom-up-Analyse; synthetische Long- und Short-Positionen in Einzeltiteln und Indizes dienen als zusätzliche Renditequellen.
Per 30. Januar 2026 weist das Portfolio eine laufende Verzinsung von 7,5 %, einen marktgewichteten Kupon (inkl. Derivate) von 8,1 %, eine effektive Duration von 2,4 Jahren sowie einen optionsadjustierten Spread (OAS) von 264 Basispunkten aus. Seit Auflegung im Oktober 2024 erzielte die EUR-S-Tranche eine kumulierte Wertentwicklung von 5,55 % bei einer annualisierten Volatilität von 2,26 % und einem Sharpe Ratio von 0,98.
Geschäftsführer Hubertus Clausius begründet die Nicht-Allokation in PDVSA-Anleihen mit der außergewöhnlich hohen Gesamtverschuldung Venezuelas sowie mit der Einschätzung, dass die für eine nachhaltige Produktionsausweitung notwendigen Investitionsprogramme erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen als vielfach erwartet. Aus Sicht des Managements reflektieren die aktuellen Kurse bereits einen Großteil des realistisch erzielbaren Restrukturierungspotenzials; das verbleibende Aufwärtspotenzial steht nicht in einem angemessenen Verhältnis zu politischen, rechtlichen und operativen Risiken.
Der Fonds konzentriert sich entsprechend auf Emittenten mit klarer Cashflow-Visibilität, moderater Duration und strukturell überzeugenderem Risiko-Rendite-Profil innerhalb der definierten Kernsektoren. Ein spezieller Fokus liegt hierbei auf dem Nordic High Yield Markt.
Hier finden Sie die komplette Seahawk Quarterly Note (PDF) mit weiteren Informationen: Link
und das aktuelle Factsheet zum Fonds: Link
Fonds: Seahawk Credit Opportunities Fund (ISIN LU2846853856 (R) / LU2846853427 (S))
Gesellschaft: Seahawk Investments GmbH



