(Von Dr. Norbert Hagen, Vorstandssprecher der ICM InvestmentBank AG)
Die erstaunliche Resilienz der Märkte
Es ist ein Paradoxon, das selbst abgebrühte Investment-Strategen ratlos zurücklässt: Wir schreiben den 1. Juni 2026, und seit zwei Monaten tobt der Iran-Krieg. Dennoch notiert der DAX bei über 24.000 Punkten. Wer auf einen Kollaps gewettet hat, blickt heute in die Röhre. Doch diese scheinbare Unverwüstlichkeit der Märkte ist trügerisch – unter der Oberfläche findet eine tektonische Verschiebung statt.
Während die „üblichen Verdächtigen“ des letzten Bullenmarktes erste Ermüdungserscheinungen zeigen, verschieben sich die Profit-Zonen. Wo lauern die Gefahren in einem Markt, der den Krieg einfach ausblendet, und wo verstecken sich die echten Chancen, wenn der Hype um die erste Reihe abebbt? Ein Blick auf die harten Fakten zeigt: Selektion ist nicht mehr nur eine Option, sondern überlebenswichtig.
Takeaway 1: Warum die Halbleiter-Party eine Pause brauchen könnte
Lange Zeit war der Halbleiter-Sektor die Lizenz zum Gelddrucken. Der weltweite Ausbau der Kapazitäten läuft zwar weiterhin auf Hochtouren, getrieben durch den unersättlichen Hunger nach Rechenpower. Doch die ICM Investmentbank tritt nun entschlossen auf die Bremse. Ihre Analyse: Die Kurse sind der Realität bereits zu weit enteilt.
Diese Einschätzung wirkt auf viele Anleger kontra-intuitiv. Schließlich ist die fundamentale Nachfrage ungebrochen. Doch die Börse handelt die Erwartung, nicht die Gegenwart. Wenn jede positive Nachricht bereits eingepreist ist, bleibt für die Kurse nur noch der Weg nach unten, sobald die Dynamik auch nur minimal nachlässt.
„Der weltweite Ausbau der Halbleiterproduktion dreht weiter auf Hochtouren – allerdings halten wir die Kurse bereits für sehr weit gelaufen.“
Dr. Norbert Hagen
Takeaway 2: Das Software-Comeback – Warum KI ein Beschleuniger, kein Risiko ist
Während die Hardware-Riesen heiß gelaufen sind, haben viele Software-Werte im Zuge einer Marktrotation kräftig Federn lassen müssen. Hier liegt laut ICM die eigentliche Chance. Der Fokus verschiebt sich weg von den reinen Schlagzeilen-Lieferanten hin zu den echten „Monetarisierern“.
Ein Paradebeispiel ist Microsoft. Während OpenAI mit ChatGPT die öffentliche Aufmerksamkeit dominiert, verdient das Unternehmen selbst kaum Geld. Der Profiteur ist Microsoft, das die Technologie – aktuell in der Version ChatGPT 5.5 – tief in seine Ökosysteme integriert. Der „Copilot“ ist kein nettes Gadget, sondern ein massiver Hebel für das bestehende Cloud-Geschäft.
- Monetarisierung statt Hype: Nicht der Erfinder der KI gewinnt das Rennen, sondern wer sie in bestehende Preismodelle integriert.
- SaaS als Stabilitätsanker: Anbieter wie SAP oder Salesforce sorgen für Effizienz und Compliance. In einem unsicheren Umfeld macht diese Unverzichtbarkeit ihre Geschäftsmodelle hochgradig resilient.
- Wachstumsbeschleuniger: KI ist für diese Giganten kein disruptives Risiko, sondern ein Turbolader für die Margen.
Takeaway 3: Die verschobene Ölpreis-Kurve und das Zins-Gespenst
Ein entscheidender Faktor für die aktuelle Lage ist der Ölpreis, der die gesamte Kalkulation der Notenbanken über den Haufen geworfen hat. Lange Zeit signalisierten die Terminmärkte eine „Backwardation“ – die Hoffnung auf sinkende Preise in der Zukunft. Doch der Iran-Krieg hat dieses Bild zertrümmert.
Aktuell notiert Öl stabil zwischen 110 und 120 US-Dollar. Die Erwartungen für die Zukunft wurden massiv nach oben korrigiert: Für September 2026 werden 70 USD aufgerufen, für Oktober 86 USD und für Januar 2027 satte 79 USD. Die Kausalkette ist gnadenlos: Teures Öl bedeutet hartnäckige Inflation, was wiederum die Zinsen oben hält und langlaufende Anleihen rasiert.
In diesem Umfeld sind konventionelle Rentenstrategien gefährlich. Gefragt sind spezialisierte Ansätze:
- Kurzläufer: Fokus auf Anleihen mit maximal drei Jahren Laufzeit, um die Zinssensitivität zu minimieren.
- Marktneutrale Strategien: Entkoppelung von der allgemeinen Kursrichtung, etwa durch Optionsprämien.
- Gezielte Konvexität: Der Fonds Abaki Fixed Income Convexity – R nutzt beispielsweise 100-jährige Staatsanleihen (NRW, Frankreich, Österreich), um ein asymmetrisches Risikoprofil zu erzeugen, das bei Zinsänderungen Schutz bietet.
Takeaway 4: Die 10-Prozent-Korrelation – Ein Geheimtipp für das Portfolio
Echte Diversifikation ist in Krisenzeiten Gold wert. Hier sticht der Alexander von Humboldt UI Fonds (ISIN DE000A1145F8) für die Emerging Markets hervor. Er weist eine Korrelation von lediglich 10 % zu den Industrieländer-Indizes auf. Das bedeutet: Wenn der DAX wackelt, bleiben seine Werte unbeeindruckt.
Dieser Erfolg ist kein Zufallsprodukt großer Apparate, sondern das Ergebnis einer spezialisierten Fondsboutique. Der „Human Factor“ ist hier entscheidend. Ein symbolisches Beispiel ist Michael Klawitter: Er verließ die DekaBank, wo er dreistellige Milliardenbeträge verantwortete, um bei der ICM als Chefvolkswirt anzuheuern. Seine Motivation? Er wollte in einem agilen Umfeld „endlich mal selbst ans Lenkrad“. Es ist genau dieses „Brennen für die Aufgabe“ in kleinen Zweierteams, das die nötige Tiefe für Nischenthemen wie Cybersecurity oder spezifische Schwellenländer ermöglicht.
Fazit: Ein Blick in die Zukunft der Geldanlage
Die Märkte im Juni 2026 sind nichts für schwache Nerven. Wer stur den Trends der Vergangenheit folgt, begibt sich auf dünnes Eis. Die Zeit der einfachen Gewinne im Halbleiter-Sektor scheint vorerst vorbei. Stattdessen schlägt die Stunde der Selektion:
- Wachsamkeit bei Hardware: Die Bewertungen lassen keinen Spielraum mehr für Fehler.
- Fokus auf Software: Hier findet die reale KI-Monetarisierung statt.
- Präzision bei Anleihen: Meiden Sie das „Zins-Gespenst“ durch Fokus auf Kurzläufer und Spezialstrategien wie 100-jährige Bonds zur Absicherung.
- Nischen suchen: Nutzen Sie die Markt-Expertise spezialisierter Boutiquen.
Wenn der DAX trotz Krieg bei 24.000 Punkten steht, ist die eigentliche Frage nicht, ob der Markt stabil ist, sondern ob Ihr Portfolio spezialisiert genug ist, um zu bestehen, wenn die Resilienz der breiten Masse Risse bekommt.
Sind Sie bereit, sich von den ausgetretenen Pfaden zu lösen und dort zu investieren, wo Experten wirklich „am Lenkrad“ sitzen?
Fonds:
Leonardo UI – DE000A0MYG12
Abaki Fixed Income Convexity – DE000A40RCU9 (R)
Cybersecurity Leaders – DE000A3D0588
Gesellschaft:
ICM InvestmentBank AG




