Detlef Glow
Head of Lipper ETF Research, LSEG · Jurymitglied Boutiquen Awards
Detlef Glow gehört zu den bekanntesten Fondsanalysten im deutschsprachigen Raum. Als Head of Lipper ETF Research bei LSEG wertet er täglich Tausende von Fondsdaten aus und zählt zu den meistzitierten Stimmen, wenn es um die objektive Bewertung von Fondsleistungen geht. Seine Einschätzungen erscheinen regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien.
Bei den Boutiquen Awards ist Glow von Beginn an dabei — als Jurymitglied der ersten Stunde. Er betreut in der Jury die Kategorie der Rentenfonds und bringt dabei genau das mit, was diese Kategorie verlangt: methodische Disziplin, tiefes Fachwissen zu risikoadjustierten Bewertungsmodellen und eine klare Einschätzung, was Fondsboutiquen von der Masse abhebt. Im Interview vor der Gala-Veranstaltung am 8. Oktober 2026 in Frankfurt erklärt er, warum er die Idee der Boutiquen Awards für unverzichtbar hält — und was exzellente Rentenfonds in seinen Augen auszeichnet.
Interview
F Herr Glow, Sie sind seit den ersten Boutiquen Awards dabei. Was hat Sie damals bewogen, Teil der Jury zu werden?
A Damals, wie heute, finde ich die Idee eines Awards speziell für kleine, zum Teil hochspezialisierte Anbieter von Investmentfonds sehr gut. Gerade kleine Anbieter mit speziellen Managementansätzen benötigen ein Forum, in dem ihre Leistungen unabhängig von außen überprüft und bewertet werden. Man könnte natürlich auf die großen Awards wie die LSEG Lipper Fund Awards oder die Morningstar Awards verweisen. Allerdings findet man Boutiquenfonds bei diesen Awards selten unter den Gewinnern. Das liegt nicht daran, dass die Boutiquenfonds im Wettbewerb mit den Fonds der großen Anbieter schlechter sind, sondern daran, dass die renommierten Awards feste Vergleichsgruppen nutzen, in die Boutiquenfonds mit ihren oftmals speziellen Ansätzen nur bedingt passen. Diese Abweichungen von der Norm führen dann oftmals dazu, dass die entsprechenden Fonds nicht auf dem ersten Platz landen.
F Sie betreuen in der Jury besonders die Kategorie der Rentenfonds. Warum ausgerechnet Fixed Income?
A Na ja, das dürfen Sie mich nicht fragen — das Segment wurde mir bei der konstituierenden Sitzung der Jury vor dem ersten Boutiquenaward zugewiesen. Ich bin mit dem Bereich aber nicht unglücklich. Rentenfonds gelten zwar oftmals als langweilig, aber gerade in diesem langweiligen Segment kann man mit angewandtem Spezialwissen einen Mehrwert für den Anleger erzielen. Es motiviert mich, Manager, die über ein entsprechendes Spezialwissen verfügen und damit sehr gute Leistungen erzielen, zu analysieren und die besten vor der Jury zu präsentieren.
F In diesem Jahr haben Sie sich sehr positiv zu den selektierten Rentenfonds geäußert. War das in früheren Juryrunden auch so — oder ist das eine neue Entwicklung?
A Das war in den Vorjahren auch schon so, nur ist es mir nicht so direkt aufgefallen wie in diesem Jahr. Das lag zum einen an der Vorauswahl, aber zum anderen auch daran, dass ich mir die Ergebnisse der Fonds in diesem Jahr auf eine andere Weise visualisiert habe.
Konkret geht es darum, dass die Fonds, die sich für die Endrunde qualifiziert haben, fast alle über 3 Jahre — also 36 Einzelbetrachtungen — hinweg in der Spitzengruppe beim Lipper Leader für den Konsistenten Ertrag lagen. Da dies eine risikoadjustierte Betrachtung der Wertentwicklung ist, ist dieses Ergebnis im Gesamtkontext als überdurchschnittlich gut zu bezeichnen. Es bedeutet, dass die entsprechenden Manager in guten wie in schwierigen Marktphasen eine Wertentwicklung erzielt haben, die besser war als der Durchschnitt der Vergleichsgruppe. Dem Lipper Leader für Konsistenten Ertrag über 3 Jahre liegen 66 sich nicht überlappende Berechnungsperioden zugrunde — in denen sich der Fondsmanager beweisen muss.
Die Ergebnisse waren also wirklich gut, da nur wenige Fonds eine derart stringente Konsistenz bei der überdurchschnittlichen Wertentwicklung zeigen. Die Analyse der Lipper Leaders für Konsistenten Ertrag stellt zudem nur einen Teil des Analyseprozesses dar — die Fonds in der Endrunde haben mich auch auf anderen quantitativen Ebenen überzeugt. Nun muss die qualitative Überprüfung zeigen, ob sie auch in diesem Bereich bestehen können.
F Als jemand, der täglich Tausende von Fondsdaten auswertet: Was muss ein Rentenfonds leisten, damit er Sie als erfahrenen Datenanalysten wirklich beeindruckt?
A Im Prinzip genau das, was wir in diesem Jahr bei den Rentenfonds in der Endrunde gesehen haben: die Fähigkeit eines Portfoliomanagers, über einen langen Zeitraum hinweg in allen Marktphasen einen Mehrwert zu erzielen. Ich habe mir zur Bestimmung der Fonds für die Endrunde „nur“ die letzten 3 Jahre auf monatlicher Basis angeschaut — aber die Berechnung für den ersten Lipper Leader geht ja nochmal 3 Jahre zurück, und auch über diesen Zeitraum konnten die Fonds, zumindest stichtagsbezogen, überzeugen. Insgesamt eine starke und stabile Leistung. Heute wird viel über Resilienz gesprochen — und genau das haben diese Fonds gezeigt.
F Fondsboutiquen stehen im Wettbewerb mit den großen Fondshäusern. Heben sich die Boutiquenfonds im Markt ab — und wenn ja, wodurch?
A Teils, teils. Wie überall gibt es auch bei den Boutiquenfonds einige positive Ausreißer, die durch eine besonders gute Wertentwicklung auffallen — aber auch Fonds, die eher am anderen Ende der Vergleichsgruppe einzuordnen sind, während sich das Gros im Mittelfeld befindet.
Fondsboutiquen heben sich vor allem hinsichtlich ihrer Eigentümerstruktur und ihres Investmentstils ab. Wenn der Portfoliomanager gleichzeitig (Mit-)Eigentümer des Anbieters ist, genießt er andere Freiheiten in der Portfoliokonstruktion und den Managementprozessen als ein Fondsmanager, der bei einem der großen Häuser angestellt ist. Ob diese Freiheit dann auch in Performance umgewandelt werden kann, steht auf einem anderen Blatt.
F Schlägt sich gute Performance auch in den Mittelzuflüssen nieder? Oder hinkt der Vertriebserfolg der Investmentqualität bei Boutiquen strukturell hinterher?
A Nein! Gute Performance führt nicht automatisch zu erhöhten Mittelzuflüssen. Dazu sind viel zu viele Anbieter und Fonds auf dem Markt — und jeder weiß, dass der Fonds, der heute auf dem ersten Platz steht, mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr nicht dort stehen wird. Stichtagsbezogene Performance ist maximal eine Randnotiz.
Der Vertriebserfolg hängt weniger von einer stichtagsbezogenen Performance als von konstant guten Leistungen über einen längeren Zeitraum ab. Dazu braucht es eine gute Geschichte, die erklärt, wie die gute Performance entstanden ist — und warum der Fondsmanager in der Lage ist, diese Leistungen zu wiederholen. Man benötigt also neben einer guten Performance auch einen stabilen Investmentprozess und ein gutes Sales-Team, das beides in einem Pitch miteinander verknüpfen kann.
F Was würden Sie einem institutionellen Investor sagen, der Boutiquenfonds bisher eher skeptisch gegenüberstand?
A Da gilt es erst einmal zu beleuchten, warum er ihnen skeptisch gegenübersteht. Ist es die Größe der Organisation, das verwaltete Vermögen, die Kosten?
Grundsätzlich sollten institutionelle Investoren allen Fondsanbietern gegenüber offen sein. Wer generell ablehnt, mit Fondsboutiquen zu sprechen, verpasst einige sehr spannende Anbieter, die echten Mehrwert bieten. Die Frage ist: Nehme ich meine treuhänderische Aufgabe mit bestem Wissen und Gewissen im Sinne des Anlegers wahr?
Sollten es klare technische Kriterien sein, die ein Investment in Boutiquenfonds verhindern, ist das in Ordnung. Gerade im institutionellen Bereich kommt es darauf an, dass der Manager sich stringent an den vorgegebenen Investmentprozess hält. Einen Fonds zu kaufen, der nicht den festgelegten Kriterien entspricht, wäre hier sogar negativ zu bewerten.
F Und zum Schluss: Was erhoffen Sie sich von den Boutiquen Awards — welche Wirkung sollen die Preise in der Branche entfalten, und sehen Sie davon schon etwas?
A Ich erhoffe mir, dass die Boutiquen Awards der Branche und insbesondere den Gewinnern helfen, ihre Sichtbarkeit im Markt deutlich zu erhöhen. Mit Mein Geld hat der Award sicherlich einen Medienpartner, der den Gewinnern viel Reichweite bringen kann — allerdings müssen diese das Angebot von Mein Geld, AECON und Pro BoutiquenFonds auch aktiv nutzen. Es reicht nicht, den Award zu gewinnen. Man muss diesen Gewinn auch dem Markt auf allen möglichen Kanälen präsentieren, um eine entsprechende Wahrnehmung zu erreichen. Nur wer wahrgenommen wird, wird sich am Ende des Tages auch über Mittelzuflüsse freuen können.
Insgesamt hat der Boutiquen Award mit seinem Medienpartner und den Botschaftern bereits viel für die Sichtbarkeit der Boutiquenfonds erreicht — aber es geht natürlich immer mehr. Und die Veranstalter wollen den Award jedes Jahr besser machen.
Boutiquen Awards Gala 2026: Die Preisverleihung findet am 8. Oktober 2026 in Frankfurt am Main statt — präsentiert von AECON Fondsmarketing GmbH, Mein Geld Medien Gruppe und Pro BoutiquenFonds GmbH.





