24.09.2026

Ein Unternehmen verlor kürzlich 25,6 Millionen US-Dollar durch einen einzigen Telefonanruf. Die Stimme am anderen Ende gehörte scheinbar der eigenen Konzernführung — tatsächlich war sie von künstlicher Intelligenz erzeugt, ein sogenannter Deepfake. Solche Vorfälle sind kein Einzelfall mehr, sondern Ausdruck einer grundlegenden Veränderung: Angreifer nutzen KI, um ihre Attacken schneller, gezielter und überzeugender zu machen. Für Unternehmen bedeutet das, dass klassische Schutzmaßnahmen an ihre Grenzen kommen — und dass Cybersecurity sich von einem technischen Randthema zu einer zentralen Voraussetzung für digitale Handlungsfähigkeit entwickelt.

Für Investoren heißt das konkret: Unternehmen, die IT-Sicherheit anbieten, positionieren sich zunehmend nicht mehr nur als Wachstumsbranche, sondern als Anbieter einer Basisinfrastruktur, auf die kaum ein Unternehmen verzichten kann.

  1. KI beschleunigt die Suche nach Sicherheitslücken

Sogenannte „Zero-Day-Lücken“ sind Schwachstellen in Software, für die es noch keine Reparatur (Patch) gibt. Früher brauchte es spezialisierte Expertenteams und viel Zeit, um solche Lücken zu finden. Neue KI-Modelle können Programmcode heute in Sekunden analysieren und Schwachstellen aufspüren — das gilt für Angreifer genauso wie für Verteidiger. Wer frühzeitig Zugriff auf die leistungsfähigsten KI-Modelle hat, verschafft sich dadurch einen erheblichen Vorsprung. Sicherheitsanbieter, die solche exklusiven Technologie-Partnerschaften eingehen, bauen sich einen strukturellen Wettbewerbsvorteil auf, den Konkurrenten nur schwer aufholen können.

  1. Betrugsmails werden durch KI deutlich wirksamer

Auch beim klassischen Phishing — gefälschten E-Mails, die Empfänger zur Herausgabe von Daten oder Geld verleiten sollen — verschiebt KI die Kräfteverhältnisse spürbar. KI-Systeme erzeugen in kürzester Zeit tausende sprachlich einwandfreie, individuell zugeschnittene Betrugsnachrichten, teils sogar in Dialekten oder Fachsprache. Die Zahlen zeigen den Unterschied deutlich:

Weil sich Mitarbeiter auf ihr eigenes Urteilsvermögen immer weniger verlassen können, wächst die Nachfrage nach Sicherheitslösungen, die Identitäten technisch und fortlaufend überprüfen, anstatt sich auf menschliche Wachsamkeit zu verlassen.

  1. Sicherheitszentralen arbeiten zunehmend automatisiert

Jedes größere Unternehmen betreibt eine Art digitale Leitstelle für IT-Sicherheit, die verdächtige Aktivitäten überwacht und bei Bedarf eingreift. Bislang war das vor allem Aufgabe menschlicher Analysten. Neue „agentenbasierte“ KI-Systeme können diese Aufgabe zunehmend selbstständig übernehmen: Sie bewerten Bedrohungen eigenständig, ordnen sie ein und leiten Gegenmaßnahmen ein. Das ist deshalb relevant, weil es weltweit schlicht zu wenige ausgebildete IT-Sicherheitsexperten gibt, um mit dem Tempo KI-gesteuerter Angriffe Schritt zu halten. Anbieter, die diese Automatisierung liefern können, lösen damit ein reales und wachsendes Personalproblem.

  1. Der Effekt lässt sich inzwischen auch messen

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass KI-gestützte Verteidigungssysteme gegenüber klassischen Methoden bei der Erkennung von Phishing, Schadsoftware und Deepfakes um rund 22 bis 33 Prozent besser abschneiden — bei gleichzeitig deutlich schnellerer Reaktion auf Vorfälle. Das begünstigt eine Marktdynamik, in der einige wenige technologisch führende Anbieter mit den größten Datenmengen ihren Vorsprung weiter ausbauen, während kleinere Wettbewerber zurückfallen.

Fazit für Investoren

Auch auf politischer Ebene wird Cybersecurity inzwischen als Teil der nationalen Sicherheitsinfrastruktur behandelt, etwa in nationalen Cyberstrategien. Das schafft zusätzlichen, regulatorisch getriebenen Bedarf, der unabhängig von Konjunkturzyklen besteht.

Für Investoren ergibt sich daraus eine zentrale Einordnung: Cybersecurity-Unternehmen lassen sich nicht mehr nur als spekulative Wachstumswette betrachten. Sie profitieren von einem strukturellen, langfristigen Bedarf, der durch die zunehmende Verbreitung von KI — sowohl auf Angreifer- als auch auf Verteidigerseite — noch verstärkt wird.

Gerade weil sich der Markt so schnell verändert, entscheidet fundierte Branchenkenntnis darüber, erfolgreich die  Unternehmen zu selektieren, die tatsächlich von dieser Entwicklung profitieren — und diejenigen zu meiden, die nur mit dem Trend werben. Nicht jeder Anbieter, der sich als „KI-gestützt“ positioniert, verfügt auch über die technologische Substanz, die exklusiven Partnerschaften oder die Wettbewerbsvorteile, die einen echten, dauerhaften Vorsprung begründen. Solche Unterschiede lassen sich nur erkennen, wer die technischen Zusammenhänge, die Wettbewerbsdynamik und die einzelnen Geschäftsmodelle im Detail versteht.

 

Der Fondsmanager im Porträt bei DAS INVESTMENT: Link


Fonds: Cybersecurity Leaders * ISIN DE000A3D0588
Gesellschaft: ICM InvestmentBank AG


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