Die Debatte um den Einsatz von ETFs wird häufig binär geführt: kostengünstig und effizient auf der einen, vermeintlich alternativlos auf der anderen Seite. Aus Sicht eines institutionellen Fondsmanagements greift diese Perspektive jedoch zu kurz. Entscheidend ist weniger die grundsätzliche Eignung von ETFs, sondern deren präzise Auswahl und Einbettung in einen übergeordneten Investmentprozess.
Indexlogik und Risikostruktur im Fokus
Ein zentrales Analysefeld liegt in der Struktur der zugrunde liegenden Indizes. Während Aktienindizes typischerweise die erfolgreichsten Unternehmen stärker gewichten, folgt ein Großteil der Anleihenindizes dem ausstehenden Schuldenvolumen. Damit verschiebt sich das Risikoprofil fundamental.
„Ein ETF ist kein neutrales Instrument, sondern ein Spiegel der Indexlogik – und diese kann gerade im Rentenbereich systematische Fehlanreize setzen.“
Insbesondere bei Staats- und Unternehmensanleihen führt dies zu einer überproportionalen Allokation in hochverschuldete Emittenten. Die Folge sind implizite Klumpenrisiken, die ohne aktives Risikomanagement nicht adressiert werden können. In Marktphasen mit steigenden Refinanzierungskosten kann dies zu asymmetrischen Verlustprofilen führen.
Kostenrealität jenseits der TER
Auch auf der Kostenseite zeigt sich, dass die gängige Fokussierung auf die Total Expense Ratio (TER) zu kurz greift. Für die tatsächliche Renditeentwicklung ist die Tracking Difference (TD) maßgeblich, die sämtliche Ertrags- und Kostenkomponenten umfasst.
Hinzu kommen interne Transaktionskosten sowie Handelskosten über Spreads, die insbesondere bei spezialisierten oder weniger liquiden ETFs erheblich sein können. Gerade thematische Strategien weisen aufgrund hoher Umschlagshäufigkeit häufig deutlich höhere implizite Kosten auf, was sich langfristig spürbar auf den Zinseszinseffekt auswirkt.
„Die Differenz zwischen Index und realer Fondsrendite ist der entscheidende Gradmesser – nicht die Marketingkennzahl TER.“
Steuerliche Feinsteuerung als Renditetreiber
Ein oft unterschätzter Faktor ist das Fondsdomizil. Bei US-lastigen Indizes ergeben sich durch unterschiedliche Quellensteuerregelungen signifikante Unterschiede in der Nettorendite. Irisch domizilierte ETFs profitieren von günstigeren Doppelbesteuerungsabkommen, was sich in einer strukturellen Mehrrendite niederschlagen kann.
Diese Aspekte verdeutlichen, dass die ETF-Selektion eine eigenständige, analytisch anspruchsvolle Disziplin darstellt – vergleichbar mit der Auswahl aktiver Einzeltitel.
Rolle im Portfolio: Baustein, nicht Lösung
Für das Fundatis Fondsmanagement steht daher nicht die Frage „ETF ja oder nein“ im Vordergrund, sondern deren gezielter Einsatz im Portfolio. ETFs können effiziente Instrumente sein, insbesondere in liquiden, gut abgedeckten Märkten. Gleichzeitig stoßen sie dort an Grenzen, wo Marktineffizienzen bestehen oder eine differenzierte Risikosteuerung erforderlich ist.
„Unser Ansatz besteht darin, passive Instrumente nur dort einzusetzen, wo sie einen klaren Effizienzvorteil bieten – und sie konsequent zu meiden, wenn sie strukturelle Risiken oder Renditenachteile implizieren.“
Diese selektive Integration spiegelt einen zentralen Vorteil unabhängiger Investmentboutiquen wider: die Freiheit, ohne Benchmark-Zwang und Produktvorgaben jeweils das geeignetste Instrument zu wählen – aktiv oder passiv.
Am Ende steht somit keine ideologische Entscheidung, sondern eine differenzierte Allokation entlang von Risiko, Kosten und Marktstruktur.
Fonds: Fundatis Diversified Selection * ISIN DE000A3C92G4 / DE000A3C92J8
Gesellschaft: Fundatis Investment Management GmbH





