23.02.2021

Jürgen Nott, Geschäftsführer der Infinigon GmbH, lebt und arbeitet in den USA. Direkt aus New York gab er uns Antworten auf Fragen, die alle aktiven Kapitalmarktteilnehmer seit der amerikanischen Präsidentenwahl interessieren.

Herr Nott, der neue US-Präsident Biden ist zwar erst sehr kurz im Amt, er hat aber bereits eine ganze Reihe von Initiativen gestartet. Wie sehen Sie in New York den Einfluss der geplanten beziehungsweise erwarteten Maßnahmen auf die Entwicklung der Konjunktur und vor allem der Zinsen in den USA?

Da Amerikaner grundsätzlich sehr zukunftsorientiert sind und eher nach vorne schauen, bringt eine neue Regierung immer auch eine erhebliche Aufbruchstimmung mit sich. Schließlich kommt sie üblicherweise ja mit allerhand Versprechungen ins Amt. Also hat der Präsident erst mal den hohen Bonus des sprichwörtlichen amerikanischen Optimismus auf seiner Seite. Darüber hinaus sind viele Amerikaner sehr kreativ. Das gilt gerade auch in schwierigen Zeiten, wenn es darum geht, Wege zu finden, wie sie weiterhin Geld verdienen und ihrem amerikanischen Traum von wirtschaftlicher Unabhängigkeit (auch von einer staatlichen Fürsorgepolitik) näherkommen können. All das führt zu einem starken Momentum.

Aktuell ist die Lage so, dass bereits im letzten Jahr weit mehr an verfügbaren Einkommen vorhanden war als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, da die vielfältigen Hilfspakete in der Summe die gleichzeitigen Einbußen übertrafen. Biden setzt mit dem 1,9 Billionen Dollar schweren Hilfspaket (das sind immerhin fast 10 Prozent des GDP) ganz neue Maßstäbe, aber lässt sich damit auch auf ein bisher nie dagewesenes Experiment ein. Das bringt erhebliche Chancen für die Wirtschaft mit sich, aber eben auch noch schwer abzuschätzende Risiken. Hält die Wirtschaft so viel Kapital überhaupt aus, ohne in eine Inflationsspirale zu geraten? Das ist eine gerade in den letzten Tagen vor dem Hintergrund zuletzt deutlich gestiegener Anleiherenditen verstärkt aufgekommene Frage. Am Geld scheitert es aktuell jedenfalls nicht, der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen. Eher bislang daran, dass viel mehr gespart wird und aktuell vor dem Hintergrund der Pandemie die Möglichkeiten beschränkt sind, es auszugeben. Es sei denn, man zockt auf Robinhood oder anderen Plattformen am Aktienmarkt – mit entsprechenden Auswirkungen auf die hohe Volatilität und viele Übertreibungen bei einzelnen heiß gehandelten Titeln. Oder bei Bitcoin & Co.

Aber auch sonst führt die Kombination aus verfügbarem Einkommen, wenig Ausgabealternativen, günstigen und leicht zugänglichen Handelsplattformen zu immensen Inflows in die Aktienmärkte, getrieben von Privatpersonen. Allein vor einer Woche waren es 58 Mrd. US-Dollar. Man mag sich gar nicht vorstellen was passiert, wenn auch nur ein Teil der 1,9 Billionen Dollar in die Kapitalmärkte fließt… 

Die Corona-Krise hat große Auswirkungen auf die Wirtschaft. Sehen Sie Anzeichen für zunehmende Ausfallraten bei den Unternehmenskrediten?

Aktuell können sich Unternehmen mit so günstigem Kapital versorgen, dass Ausfälle herausgezögert werden beziehungsweise sie die aktuelle wirtschaftliche Situation überleben können. Das gilt jedoch nicht für die, die sich im Strukturwandel befinden, der – unabhängig wie die Erholung der Wirtschaft ausfallen wird – zwangsläufig eine Segmentierung in Gewinner und Verlierer mit sich bringen wird.

Die Branchen werden unterschiedlich stark getroffen, reagieren die CLO-Manager darauf bei der Zusammenstellung neuer CLOs?

Es war schon immer wichtig, dass CLO-Manager ihre Portfolien aktiv managen. Aktuell müssen bei Branchen, die durch den Strukturwandel betroffen sind, noch stärker die Gewinner von den Verlierern unterschieden werden. Wir investieren überwiegend in sehr erfahrene und/oder spezialisierte CLO-Manager, die bereits mehrere Zyklen und auch Krisen erfolgreich gemeistert haben.

Haben Sie nach dem Präsidentenwechsel Ihre Fondsstrategie angepasst, oder gibt es dafür derzeit Bedarf?

Wir haben die Herausforderungen im Frühjahr letzten Jahres sehr gut gemeistert und Opportunitäten wahrgenommen. Unsere Einschätzung ist, dass sich zuerst die Kapitalmärkte erholen werden – dann die Wirtschaft. Daher sehen wir uns gegenwärtig gut positioniert, haben aber auch die aktuellen Entwicklungen ständig im Blick.

Sie hatten im letzten Jahr und auch bereits wieder Anfang dieses Jahres erfreuliche Mittelzuflüsse in Ihren Fonds. Welche Art von Investoren haben sich neu beteiligt, und was waren deren Gründe für ihr Engagement?

Zum einen liegt es sicherlich an der guten Performance in den uns anvertrauten Mandaten. Zum anderen haben unsere Kunden in der schwierigen Marktphase des letzten Jahres unsere Kompetenz und unser Engagement sehr geschätzt, wie wir ihnen zur Seite gestanden haben. Der positive Eindruck, den wir dadurch hinterlassen konnten, wurde dann auch mit Aufstockungen und neuen Mandaten belohnt.

Aktuell liegen die mit Investment Grade CLOs erzielbaren Renditen bei ca. 2,5%. Papiere aus diesen Ratingkategorien favorisieren wir in unseren beiden Publikumsfonds, da es hier seit mehr als 20 Jahren keine Ausfallverluste gab und die Robustheit selbst in der Finanzkrise und der Pandemie bestätigt wurde. Auch deshalb werden diese Papiere von institutionellen Investoren als sehr attraktiv eingeschätzt.

 


Fonds:
Infinigon Investmentgrade Collateralized Loan Fund BI – ISIN DE000A1T6FY8
Investment Grade Liquid Alternative Fund I (IGLA) – ISIN DE000A2PF0Q5

Gesellschaft: Infinigon GmbH


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